verfallen

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ver|fal|len [fɛɐ̯'falən], verfällt, verfiel, verfallen <itr.; ist:
1.
a) baufällig werden und allmählich in sich zusammenfallen:
sie ließen das Schloss verfallen; ein verfallenes Gemäuer.
Syn.: in Verfall geraten, verkommen, verwahrlosen, zerfallen.
b) seine körperliche [und geistige] Kraft verlieren:
der Kranke verfällt zusehends.
c) eine Epoche des Niedergangs durchmachen; sich auflösen:
die Sitten verfielen in dieser Zeit; das Großreich verfiel.
Syn.: sich auflösen, untergehen, verschwinden, zerfallen.
2. nach einer bestimmten Zeit wertlos oder ungültig werden:
eine Briefmarke, ein Wechsel verfällt; die Eintrittskarten waren inzwischen verfallen.
3. in einen bestimmten Zustand, eine bestimmte Verhaltensweise o. Ä. geraten:
in Schlaf, in Schweigen verfallen; in Trübsinn verfallen; er verfiel wieder in den alten Fehler.
4. auf etwas kommen, sich etwas Merkwürdiges, Ungewöhnliches ausdenken:
auf einen abwegigen Plan verfallen; er verfiel auf den Gedanken, die Idee, alles noch einmal von vorne zu beginnen.
5. in einen Zustand der physischen und/oder psychischen Abhängigkeit von jmdm., einer Sache geraten:
einem Mann, einer Frau, dem Alkohol, der Spielleidenschaft verfallen.
Syn.: erliegen.

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ver|fạl|len 〈V. intr. 131; ist
1. baufällig werden, allmählich kaputtgehen (Gebäude)
2. körperlich schwach werden
3. die geistige Kraft, Frische verlieren
4. die Gültigkeit verlieren, ungültig werden
5. allmählich die Lebenskraft u. Wirksamkeit verlieren (Epoche)
6. jmdm. od. einer Sache \verfallen hörig werden, von jmdm. od. einer S. abhängig werden
● dem Alkohol, dem Trunk, einem Laster \verfallen; die Gutscheine \verfallen nach vier Wochen; der Kranke verfiel in den nächsten Tagen zusehends; der Wechsel verfällt am 1. April ● auf einen Gedanken \verfallen auf einen (den anderen meist etwas wunderlich erscheinenden) G. kommen; darauf \verfallen, etwas zu tun plötzlich etwas tun wollen (meist etwas, das den anderen ein wenig verrückt vorkommt); wie ist er denn bloß darauf \verfallen?; in einen Fehler \verfallen sich unversehens einen Fehler aneignen; in Melancholie, Trübsinn \verfallen melancholisch, trübsinnig werden; in tiefes Nachdenken \verfallen ● eine \verfallene Burg; er sieht ganz \verfallen aus; ihre Einreiseerlaubnis ist bereits \verfallen

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ver|fạl|len <st. V.; ist:
1.
a) [mhd. vervallen, ahd. farfallan] baufällig werden u. allmählich zusammenfallen:
das Bauwerk verfällt;
er lässt sein Haus v.;
ein verfallenes Gemäuer, Schloss;
b) seine körperliche [u. geistige] Kraft verlieren:
der Kranke verfällt zusehends;
c) eine Epoche des Niedergangs durchmachen; sich auflösen:
die Sitten verfallen;
seine Autorität, das Römische Reich verfiel.
2. nach einer bestimmten Zeit wertlos od. ungültig werden:
eine Banknote, Briefmarke, ein Wechsel verfällt;
die Eintrittskarten sind verfallen;
das Medikament, die Konserve ist verfallen (das Haltbarkeitsdatum ist überschritten).
3.
a) in einen bestimmten [negativen] Zustand, eine bestimmte [negative] Verhaltensweise geraten:
in Schweigen, Ratlosigkeit, Wut v.;
in tiefen Schlaf, einen leichten Schlummer v.;
in den alten Fehler v.;
b) in eine andere Art (innerhalb einer Abstufung) übergehen, hineingeraten:
in seinen Dialekt v.;
das Pferd verfiel in Trab.
4. in einen Zustand der Abhängigkeit von jmdm., etw. geraten:
einer Leidenschaft, dem Alkohol, den Verlockungen der Großstadt v.;
sie war dem Zauber dieser Landschaft verfallen;
sie war diesem Mann verfallen (war ihm hörig);
er ist dem Tode verfallen (geh.; wird bald sterben).
5. auf etw. kommen, sich etw. Merkwürdiges, Ungewöhnliches ausdenken:
auf eine abwegige Idee, einen teuflischen Plan v.;
wie konntest du nur darauf v., sie danach zu fragen?;
warum seid ihr ausgerechnet auf ihn verfallen? (habt ihr ihn dazu ausersehen, euch an ihn gewandt?).
6. [mhd. vervallen, ahd. farfallan]
a) jmdm., einer Institution zufallen:
die Schmuggelware, der Besitz verfällt dem Staat;
b) (Papierdt. veraltend) von der Wirksamkeit einer Sache betroffen werden:
einer Strafe v.;
der Antrag verfiel der Ablehnung (wurde abgelehnt).

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ver|fạl|len <st. V.; ist [1 a, 6: mhd. vervallen, ahd. farfallan]: 1. a) baufällig werden u. allmählich zusammenfallen: das Bauwerk verfällt; Die Stadt meiner Kindheit, die im Traum immer beglänzter wird, je mehr sie in der Wirklichkeit verfällt (Gregor-Dellin, Traumbuch 46); er lässt sein Haus v.; ein verfallenes Gemäuer, Schloss; ... was in den späten Nachtstunden dieser Frühjahrstage in den verfallenen Gassen ... geschah (Ransmayr, Welt 87); Um das ganze Fort läuft ein halb verfallener Schützengraben (Grzimek, Serengeti 92); Ü am Rand eines meerblauen Himmels verfielen die letzten Türme einer Wolkenbarriere (Ransmayr, Welt 223); b) seine körperliche [u. geistige] Kraft verlieren: der Kranke verfällt zusehends; Richarz verfiel von Tag zu Tag mehr. Er hatte keinen ... Lebenswillen mehr, er wollte sterben (Niekisch, Leben 312); sein Gesicht verfiel sonderbar (Gaiser, Jagd 173); Sie sah in der Dämmerung grau und verfallen (erschöpft, müde) aus (Rinser, Jan Lobel 31); c) eine Epoche des Niedergangs durchmachen; sich auflösen: die Sitten verfallen; seine Autorität, das Römische Reich verfiel; Und die deutsche Sprache ... verfällt bei uns immer mehr. Vor fünfzig Jahren haben hier noch alle ausgezeichnet Deutsch gesprochen, heute fast keiner mehr (Hofmann, Fistelstimme 88). 2. nach einer bestimmten Zeit wertlos od. ungültig werden: eine Banknote, Briefmarke, ein Wechsel verfällt; Vernachlässigte ... eine Stadt ihre Wärterpflichten, verfielen Privilegien, Steuernachlässe (Ransmayr, Welt 185); Sein Patent ... ließ Sarbach v. (ADAC-Motorwelt 11, 1986, 118); die Eintritts-, Lebensmittelkarten, Gutscheine sind verfallen; jetzt ändert sie Uniformen, ... ist gegen Butter und Eier für ihre ländliche Verwandtschaft tätig, während die Mark verfällt (Bruyn, Zwischenbilanz 17); Heute verfallen (sinken) die Bodenpreise (Spiegel 25, 1985, 115); das Medikament, die Konserve ist verfallen (das Haltbarkeitsdatum ist überschritten); Ü Der quälende Widerspruch zwischen der Vernunft Roms und den unbegreiflichen Tatsachen des Schwarzen Meeres verfiel (Ransmayr, Welt 241). 3. a) in einen bestimmten [negativen] Zustand, eine bestimmte [negative] Verhaltensweise geraten: in Schweigen, Nachdenken, Ratlosigkeit, Wut, Trübsinn v.; in tiefen Schlaf, einen leichten Schlummer v.; Stattdessen verfällt auch Watson in ... Selbstgerechtigkeit (natur 2, 1991, 47); in den alten Fehler v.; Es wäre keine neue Erfahrung für ihn, wenn er wieder in Eifersucht verfiele (Frisch, Montauk 121); Dann ging er vor die Tür und verfiel in ein wüstes Gelächter (Strauß, Niemand 182); Während der Hauptmann die Anweisung faltete und einsteckte, verfiel er in seine alte Redeweise ... (Bieler, Bär 196); b) in eine andere Art (innerhalb einer Abstufung) übergehen, hineingeraten: in seinen Dialekt v.; Wir mussten zehn Minuten im Kreis gehen und dann in Laufen v. (Kempowski, Immer 186); das Pferd verfiel in Trab; Er saß neben ihr und verfiel in eine Abfolge von Bewegungen, die er nicht steuerte und die er eigentlich auch nicht wollte (Zwerenz, Quadriga 163). 4. in einen Zustand der Abhängigkeit von jmdm., etw. geraten: einer Leidenschaft, dem Alkohol, den Verlockungen der Großstadt v.; Das abendliche Fernsehen aber, dem sie so oft verfallen (Frischmuth, Herrin 78); Dem Singsang gesprochener Verse verfiel das Kind (Meckel, Suchbild 50); er war dem Zauber dieser Landschaft verfallen; sie war diesem Mann verfallen (war ihm hörig); Neben den Männern, die ihm sexuell verfallen sind (Spiegel 1, 1991, 87); er ist dem Tode verfallen (geh.; wird bald sterben). 5. auf etw. kommen, sich etw. Merkwürdiges, Ungewöhnliches ausdenken: auf eine abwegige Idee, einen teuflischen Plan v.; Zuletzt ist Paul aufs Einkaufen verfallen (Plenzdorf, Legende 297); wie konntest du nur darauf v., ihn danach zu fragen?; warum seid ihr ausgerechnet auf ihn verfallen? (habt ihr ihn dazu ausersehen, euch an ihn gewandt?); Schließlich verfiel man auf die höchst dürftige Auskunft, dass ... (NJW 19, 1984, 1085). 6. a) jmdm., einer Institution zufallen: die Schmuggelware, der Besitz verfällt dem Staat; Es gibt ... hier ... Fotogeschäfte, in denen sich Kameras befinden könnten, die ... der Beschlagnahme v. (Heym, Schwarzenberg 118); Die Burgen indes, so sie jünger als dreißig Jahre waren, verfielen allesamt der Krone (Stern, Mann 233); b) (Papierdt. veraltend) von der Wirksamkeit einer Sache betroffen werden: einer Strafe v.; der Antrag verfiel der Ablehnung (wurde abgelehnt); Ich ... las die ersten beiden Kapitel ... vor. Beide verfielen der Kritik (Richter, Etablissement 279); ... konnte sie sich energische Auftritte nicht leisten, um nicht neuerdings der Ächtung zu v. (um nicht erneut geächtet zu werden; Innerhofer, Schattseite 105).

Universal-Lexikon. 2012.

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  • Verfällen — Verfällen, verb. regul. welches das Activum des vorigen ist, verfallen machen, aber im Hochdeutschen wenig gebraucht wird. 1. * Verfallen, d.i. einfallen machen, zerstören; eine im Hochdeutschen unbekannte Bedeutung. Der in ein rauhes Feld und… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

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  • verfallen — ver·fạl·len; verfällt, verfiel, ist verfallen; [Vi] 1 etwas verfällt ein altes Gebäude, das nicht mehr gepflegt oder benutzt wird, fällt allmählich zusammen: eine stillgelegte Fabrik verfallen lassen 2 etwas verfällt etwas kommt in einen… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • verfallen — ver|fạl|len; das Haus ist verfallen; er ist dem Alkohol verfallen …   Die deutsche Rechtschreibung


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